Forschung oder Lehre? Ich muss zugeben, dass ich mich mit den Kategorien manchmal schwertue. Warum? Im Master Sustainable Marketing und Leadership setzen wir konsequent auf forschendes Lernen. Es geht darum, dass sich die Studierenden Kompetenzen (ich finde in diesem Kontext Jean-Pol Martins Begriff „Weltverbesserungskompetenz“ ausgesprochen passend) durch Wissenserschließung und Wissensproduktion erarbeiten können. Wie wir das machen, stelle ich hier in einer kleinen Serie von Plaudereien mit Studierenden, Absolventen und Lehrenden vor. In dieser ersten Folge führe ich ein Interview mit Jessica Scherf, die mich auch einige Zeit als studentische Mitarbeiterin sehr engagiert unterstützt hat.

Jessica hat sich in ihrer Masterarbeit (von meinem Kollegen Prof. Dr. Dominik Grosse-Holtforth und mir betreut) mit einer neuen Technologie, der so genannten Blockchain befasst. Die Masterarbeit ist quasi der Höhepunkt von drei großen Forschungsmodulen im dritten und vierten Semester, die die Studierenden motivieren sollen, sich mit aktuellen Forschungsmethoden, neuen Themen und Fragen der Transformation zu befassen. Wir sehen diese Module auch als Vorbereitung auf eine mögliche Promotion, für die hier wichtiges Handwerkszeug vermittelt wird.

Vereinfacht gesagt können damit alle möglichen Formen von Transaktionen nachvollzogen werden. Anwendungen gibt es als „Kryptowährung“ (Digitales Geld), aber auch in der Energiewirtschaft oder der Supply Chain. So könnte mir die Technik die Chance geben die im Video erwähnten Diamanten auf Echtheit zu prüfen und sicherzustellen, dass es sich nicht um Blutdiamanten handelt. Oder ich könnte nachvollziehen, welchen Weg ein Tiefkühlfach-Fisch aus dem Meer auf meinen Teller genommen hat, und ob es auf dem Wege vielleicht Störungen in der Kühlkette gab.

Typisch für den Studiengang ist die systematische Auseinandersetzung mit Zukunftsmärkten. Also die Frage, wo Märkte entstehen, und unter welchen Bedingungen das geschieht und welche Strategien geeignet sind, Zukunftsmärkte zu erschließen. Für die Beantwortung solcher Fragen arbeiten wir intensiv mit explorativen Forschungsmethoden. Unser Studierenden lernen Problemstellungen zum Beispiel mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse, der Case Study Forschung oder auf dem Weg der Grounded Theory anzugehen. Wie das geht, und was dabei herauskommen kann, diskutiere ich mit Jessica in diesem Interview.