Auch das dritte Buch, das ich diesem Herbst vorstellen und nicht nur meinen Studierenden ans Herz legen möchte, befasst sich mit transformativen Entwicklungen und dadurch zu Tage tretenden Dysfunktionalitäten aber auch Chancen unserer Wirtschaft. Allen diesen drei hier vorgestellten Büchern ist die Diagnose gemein, dass die Art und Weise, wie wir wirtschaften, zu Fehl-Steuerungen führen muss und in der Konsequenz zu an sich vermeidbaren ökonomischen, sozialen und ökologischen Krisensituationen kumuliert. 

Während das Buch von Jörg Heynkes aus Sicht des nach Chancen suchenden Unternehmers verfasst ist und sich das Buch von Lars Hochmann der Wirtschaft aus einer sehr grundsätzlichen wirtschaftsphilosophischen und ökonomiekritischen Haltung nähert, entwickelt dieser Band eine dritte, nämlich programmatische Perspektive. 

Uwe Schneidewind, ehemals Präsident der Carl-von-Ossietzky Universität in Oldenburg, ist Präsident des renommierten Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. 

Mit seinem Band „Die große Transformation – Eine Einführung in die Kunst des gesellschaftlichen Wandels“ greift Uwe Schneidewind ein Motiv von Karl Polyani auf. Diese Transformation bezeichnet Uwe Schneidewind als „zentrales Zivilisationsprojekt“ (S.13) des 21. Jahrhunderts. In Zeiten einer komplexer werdenden Wirklichkeit bedarf es einer Orientierung abseits einfacher oder gar populistischer Antworten, die bei komplexen Problemen einfach falsch sein müssen. Auch Spezialisierungen, vor allem im Wissenschaftssystem der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, müssen vor diesem Hintergrund als (Aus-) Flucht gedeutet werden. Uwe Schneidewind bringt es auf den Punkt. Wir brauchen in Zeiten des Umbruchs „transformative Literacy“, die Kompetenz die Dimensionen in ihrem Zusammenspiel zu verstehen (S. 11) . Hier kommt der zentrale Begriff der „Zukunftskunst“ ins Spiel.

Unseren Studenten im Master Sustainable Marketing & Leadership werden die beiden großen Blöcke „Arenen“ (S. 172 ff.)  und „Akteure“ (201 ff.) schon beim ersten Blick ins Inhaltsverzeichnis ins Auge fallen, spiegelt das nämlich den gleichen Zugang wieder, den wir aus gutem Grunde in den Schwerpunktsäulen unseres Masters  gewählt haben. Die Freude des Wiederkennens wird an vielen anderen Stellen des Buches nicht minder groß sein. Etwa bei den Zukunftsfragen, wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder gesellschaftlicher Wandel, die wir immer wieder diskutieren, und unserer zentralen Frage, was denn unter diesen Bedingungen ein gutes Leben ausmacht. Ebenso werden sich die Studierenden wiederfinden, wenn es um die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen oder das Framework „Doughnut Economics“ von Kate Raworth (172 ff.) geht. Alles Themen mit dem wir uns schon im ersten Master-Semester beschäftigen. 

Das Buch ist nicht nur ein sehr lesenswertes, sondern ein ausgesprochen wichtiges Buch, das nicht zuletzt wichtige Eckpunkte der transformativen Arbeit des Wuppertal Instituts aus den letzten Jahren auf 520 Seiten zusammenfasst. Es aber nicht, wie man vielleicht erwarten würde, ein klassisch wissenschaftliches (Lehr-) Buch.  Stattdessen will „Die große Transformation“ als Programm verstanden werden, das seinen Niederschlag im Wuppertaler Transformationsmodell (S. 476 ff.) findet. Nachhaltig ist nicht nur der Inhalt, sondern auch faire Preis von nur 12 Euro.

Schneidewind, Uwe (2018): Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst des gesellschaftlichen Wandels. Frankfurt/M.: Fischer