Wie sollen Unternehmen auf den Klimawandel reagieren? Neben Maßnahmen des Klimaschutzes, wie z. B. ressouceneffiziente Verfahren und Kreisläufe, Kraft-Wärme-Kopplung, Solarenergie und Elektromobilität, gerät zunehmend die Frage der Klimaanpassung in Mittelpunkt des strategischen Geschehens. Wie kann sich ein Unternehmen strategisch und operativ auf bestimmte Klimaereignisse einstellen? Hier gibt es zunächst zwei Perspektiven. Zum einen die Perspektive des Risikomanagements, bei der es darum geht, Risiken, wie Schäden durch Sturm, Hochwasser oder Hitzeereignisse zu vermeiden oder durch geeignete Maßnahmen abzufedern. Die andere Perspektive dreht sich darum, wie man entstehende Klimaanpassungsmärkte identifiziert und marktgängige Lösungen und Produkte entwickelt. Hier stellt sich die Frage nach geeigneten Strategien, Innovationsmanagement und nachhaltiges Business Development.

Um genau diese Fragen dreht sich das gemeinsame Forschungsprojekt „Klima-LO“ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Fakultät IIDepartment für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sowie der Business School der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft + Medien, in Köln. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unter dem Förderkennzeichen 03DAS102A gefördert.Das Oldenburger Projektteam besteht aus Prof. Dr. Klaus Fichter, Dr. Karsten Hurrelmann und Anne Seela, während an der Hochschule Fresenius Prof. Dr. Lutz Becker und Prof. Dr. Mahammad Mahammadzadeh mit Unterstützung von Jessica Wolf, B. A., Sina Möller, B. A., sowie Jessica Scherf, M. A.,  und Felix Kammerichs, M. A.  (beide bis Ende 2017) das Projekt verantworten.

Klimabetroffenheit von Unternehmen

Die große Herausforderung besteht darin, dass jede Unternehmung und jede Organisation höchst unterschiedlich von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Nur als plakatives Beispiel: Es wäre zu erwarten, dass bei einem Speiseeishersteller die Kosten für Kühlung und Beschaffung von Rohstoffen steigen, während es kurzfristig stärkere Spitzen beim Absatz gibt. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind wiederum anders betroffen, als Logistikunternehmen oder Versicherungen, wobei es auch innerhalb der Branchen und zwischen den einzelnen Unternehmen ganz erhebliche Unterschiede bei Grad und Qualität der Betroffenheit gibt. Es geht also darum, dass die Unternehmen lernen, Betroffenheiten zu erkennen und zu messen sowie mit unterschiedlichen und wechselnden Betroffenheiten umzugehen und geeignete Strategien daraus zu entwickeln.

Konkretes Ziel des Projektes Klima-LO ist es, Organisationen (v . a . Unternehmen, Unternehmensnetzwerke, Kommunen ) in die Lage zu versetzen, autonome Lernprozesse in Bezug auf die Anpassung an die Folgen des Klimawandels als ( Selbst-)Lernende Organisation zu gestalten. Hierzu sollen Organisationsmitglieder in einem Bildungsmodul qualifiziert werden. Die Organisationen sollen sich selbst befähigen können, autonome Lernprozesse im Bezug auf Klimawandel und Klimaanpassungstrategien anzustoßen, zu begleiten und zu monitoren. Organisationales Lernen wird als Querschnittsthema über (exemplarisch ausgewählte) unternehmerische Funktionen gesehen.

Im Rahmen des Projektes werden drei Leitkonzepte, nämlich

  • Klimaschutz und Klimaanpassung (Hochschule Fresenius)
  • Leitkonzept Resilienz (Carl von Ossietzky Universität)
  • Leitkonzept Organisationales Lernen (Hochschule Fresenius)

sowie vier relevanten Managementbereichen (anhand von: Problemstellungen/Zielgruppen) näher untersucht:

  • Strategisches Management (Carl von Ossietzky Universität)
  • Innovationsmanagement (Carl von Ossietzky Universität)
  • Managementsysteme (Hochschule Fresenius)
  • Business Development Management (Hochschule Fresenius)

Zielgruppe des Projektes ist das  „ökonomisches Ökosystem“ des Mittelstandes, also mittelständische Unternehmen und deren Kooperationspartner. Hierbei stehen individuelle Akteure mit wirtschaftlicher Verbindung zu Unternehmen (Management, MitarbeiterInnen, FreiberuflerInnen) im Fokus des Projektes. Wichtig ist es dabei, Multiplikatoren und Multiplikationseffekte zu nutzen. Die Weiterführung und Verstetigung des Projektes soll durch interne oder externe Akteure, wie allgemeine Führungskräfte, Verantwortliche für das Risikomanagement oder den Klimaschutz in Unternehmen, Trainer oder Berater erfolgen. Dazu gehört auch, dass die im Projekt erarbeiteten Materialen  in der Public Domain angeboten werden.

Klimaanpassung in der Automobilindustrie

Im Rahmen des Studiengangs Sustainable Marketing & Leadership haben sich mehrere Studierende in ihren Masterarbeiten mit Aspekten des Projektes beschäftigt. Im folgenden YouTube Film führe ich ein Interview mit dem SML-Absolventen und Mitarbeiter im Projekt Klima-LO Felix Kammerichs, M. A.

 

Literaturtipp:

Becker, L.
 (2018): Nachhaltiges Business Development Management. Strategien für die Transformation. SpringerGabler. Wiesbaden.

Becker, L./Hakensohn, H./Witt, F. (Hg.)
(2012): Unternehmen nachhaltig führen. Führung, Verantwortung und Nachhaltigkeit im Management
. Symposion. Düsseldorf.