[Dieser Beitrag von Prof. Dr. Mahammad Mahammadzadeh entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderten Projektes Klima-LO. Das Projekt der Carl Von Ossietzky Universität Oldenburg mit der Business School der Hochschule Fresenius in Köln verfolgt das Ziel, Unternehmen in die Lage zu versetzen, managementbezogene Lernprozesse in Bezug auf die Anpassung an die Folgen des Klimawandels als (Selbst-) Lernende Organisation zu gestalten. ]

Die Auswirkungen des Klimawandels sind dem „Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ zufolge so vielfältig, „dass kaum ein Bereich des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unberührt bleiben wird“ (Umweltbundesamt, 2015)

Die deutsche Wirtschaft ist gegenwärtig in verschiedener Art und Weise von den Klimaveränderungen und Extremwetterereignissen betroffen. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels werden sich jedoch die Unternehmen in Zukunft noch stärker auf die Klimafolgen einstellen müssen. Hierbei handelt es sich jedoch um ein mehrdimensionales Phänomen, das mittels verschiedener Bestimmungsfaktoren, wie Art, Zeit, Ort, Intensität, Häufigkeit, Wirkungsrichtung oder Beurteilung/Wahrnehmung der Betroffenheit operationalisiert werden kann (siehe Abbildung).

Wesentliche Merkmale und Merkmalsausprägungen der Klimabetroffenheit – Quelle: In Anlehnung an Mahammadzadeh/Chrischilles und Biebeler, 2013.

Im Rahmen der umfassenden Betroffenheitsanalyse nimmt die Art der Klimabetroffenheit (die Ausprägungsformen der Klimafolgen) eine zentrale Rolle ein. Eine direkte Betroffenheit ergibt sich aus natürlich-physikalischen Klimawandelphänomenen und Extremwettereignissen. Die indirekten Betroffenheiten resultieren überwiegend aus regulatorischen Folgen des Klimawandels wie nationale und europäische Gesetzgebung zur Klima- und Energiepolitik und marktbezogenen Auswirkungen wie Nachfrageerhöhung bzw. -rückgang sowie Beeinträchtigung der Produktion durch Betroffenheit von Lieferanten. Die explizite Berücksichtigung der marktbezogenen und regulatorischen Folgen ist bei einer umfassenden Betroffenheitsanalyse unabdingbar, denn gegenwärtig wird von deutschen Unternehmen indirekte Betroffenheit aufgrund der relativ gemäßigten klimatischen Bedingungen Deutschlands stärker wahrgenommen als direkte Betroffenheit. Da die Wirkungsrichtung der Betroffenheit (positiv oder negativ) auf den unternehmensrelevanten Beschaffungs- oder Absatzmärkten unterschiedlich ausgeprägt werden kann, ist in diesem Kontext eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Neben den vielfältigen Risiken bietet der Klimawandel auch zahlreiche Chancen und Potenziale, die die Unternehmen insbesondere auf dem Absatzmarkt durch Entwicklung und Angebot von neuen Produkten oder Dienstleistungen im Kontext von Klimaschutz und Klimaanpassung nutzen. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, neue Märkte auf nationaler und internationaler Ebene zu erschließen. Des Weiteren ist von Interesse, wie Unternehmen ihre Betroffenheit im Zeitablauf wahrnehmen. Gerade für global agierende Unternehmen ist auch der Ort der Betroffenheit ein weiteres wesentliches Element, das bei der Analyse der Betroffenheitssituation zu berücksichtigen ist. Es ist zu bestimmen, wo ein Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette betroffen ist, etwa an Standorten in Deutschland oder im Ausland.

Die negativen Betroffenheiten müssen jedoch nicht zwingend zu einer Verletzlichkeit (Vulnerabilität) der Betroffenen führen. Eine verletzliche Situation liegt insbesondere dann vor, wenn die vorhandene Anpassungskapazität und vor allem finanzielle, personelle, technologische, infrastrukturelle, institutionelle und wissensbasierte Ressourcen nicht ausreichen, die negativen Betroffenheiten aufzufangen und sie wirksam zu bewältigen.

Prof. Dr. Mahammad Mahammadzadeh, 19.05.2018