Dr. Lars Hochmann habe ich unter anderem während der letzten Spiekerooger Klimagespräche (seit 2017 Bergische Klimagespräche) als tiefgründigen und blitzschnellen Denker erlebt. Als Schüler von Reinhard Pfriem reiht er sich in die eine beeindruckende Phalanx  brillanter Ökonomen, wie Uwe Schneidewind, Thomas Beschorner oder Nico Paech, ein. 

Lars‘ jüngstes Werk, das sein Doktorvater Reinhard Pfriem im Vorwort völlig zu Recht als „fulminantes Werk“ tituliert, zeugt von der Fähigkeit und dem Mut, die Wirtschaftswissenschaften in aller Konsequenz „gegen den Strich zu bürsten“  und Grundannahmen und Kritik quasi immune Paradigmen zu durchleuchten. Denn wer „Wirtschaftswissenschaft, die Wirtschaft lebenswert gestalten möchte, muss explizit dafür einstehen, an die Stelle abtötender Denkstile die Lebendigkeit befördernde Befähigung zu einem besseren, also guten Leben treten zu lassen (…)“ (178)

Der Wirtschaft sollte nicht, wie es mancher Ökonom gerne sehen würde,  von außen vorgegebene – und damit nicht hinterfragbare – Zwecke verfolgen, sondern es geht darum, den Sinn und Zweck von Ökonomie und Ökonomik selbst zu hinterfragen. In seinem Hinterfragen diagnostiziert Lars Hochmannn eine Verwahrlosung der Ökonomik und der Ökonomie, deren Ursachen in deren Selbstbezüglichkeit zu finden sind. Diese führt für Lars Hochmann genealogisch über zwei Stufen:

Verwahrlosung von Sinn durch Zwecke: Statt das Unternehmensstrategische als einen reflexiven Suchprozess zu fassen, werden feste und zu erreichende Ziele gesetzt.

Die Verwechslung von Zweck und Mittel: Statt marktliche Koordination als Methode zur Verwirklichung des Unternehmensstrategischen zu betreiben, wird der finanzielle Gewinn selbst zum leitenden Motiv.“ (43)

Die abschließende Figur von einer „erotischen Wirtschaftswissenschaft“ sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen – um sie aber wirklich genießen zu können, sollte man aber das ganze Werk gelesen haben.

Wer einen trockenen ökonomischen Text erwartet, wird enttäuscht sein. Aber man sei gewarnt, Lars brillante Gedanken und Sprachspiele erwarten wache Aufmerksamkeit. 

Dieses Essay sei nicht nur unseren Studierenden im Master Sustainable Marketing & Leadership, sondern vor allem auch Betriebswirten und (angehenden) Führungskräften ans Herz gelegt, die in einer allzu eng geführten und mitunter überraschend einfältigen Gutenberg–Wöheschen BWL sozialisiert worden sind. 

 

Hochmann, L. (2018). Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomik für das Leben: Reflexionen aus einer schwierigen Wissenschaft. Bielefeld: transcript Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis.

 

Weitere Werke von Lars Hochmann

Henkel, A. , Lüdtke, N., Buschmann, N., & Hochmann, L. (Hrsg.) (2018). Reflexive Responsibilisierung: Verantwortung für nachhaltige Entwicklung. Bielefeld: transcript Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis. 

Hochmann, L. (2017). Kritik der grotesken Vernunft: Reflexionen zur Wissenschaft des Unternehmens. Marburg: Metropolis Verlag.

Foto: Lars Hochmann, Spiekerooger Klimagespräche, Lutz Becker 2017