Schon vor mehr als 200 Jahren, auf seiner fünfjährigen Amerika-Reise von 1799-1804, beschrieb Alexander von Humboldt erstmals den anthropogenen (menschengemachten) Klimawandel. Auf seiner Expedition durch Neu-Granada, auf dem Gebiet des heutigen Venezuela, fielen ihm Umweltveränderungen Bereich des Valenciasees ins Auge. Er erkannte, dass das Anlegen von Plantagen durch die Kolonialherren und die damit verbundene Abholzung auf den Wasserhaushalt des Sees und das lokale Klima Einfluss nahm. Er erkannte die irreversible und zerstörerische Wirkung sowie die Folgen für die Lebensbedingungen künftiger Generationen. (Wulf, Andrea (2016): Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. München: C. Bertelsmann)

Inzwischen kennen wir eine Vielzahl von teils überraschenden Wirkungsbeziehungen zwischen Natur, Wirtschaft und Sozialem. Dabei rückt angesichts unübersehbarer Wetterturbulenzen zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie und inwieweit Wirtschaft und Unternehmen vom Klimawandel betroffen sind und welche Kosten dabei entstehen.

So einfach diese Frage zu klingen scheint, so schwer ist sie zu beantworten. Zunächst einmal muss man direkte, indirekte sowie regulatorische Betroffenheit (man denke an die Diskussionen um Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs in den Städten (Titelfoto) oder die CO2-Steuer) unterscheiden.

Der frisch gekürte Nobelpreis-Träger William D. Nordhaus berechnet, dass wir, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, CO2 mit rund 275 Dollar je Tonne bepreisen müssten. Folglich müssten wir für den Liter Benzin  58 Euro-Cent mehr, zusätzliche 32 Euro für einen Economy-Flug von München nach Hamburg und fast 1600 Euro für einen Flug von Frankfurt nach Singapur berappen: Ein Preis, der sich bis 2050 nochmals fast verdreifachen müsste. Allerdings, sind die Berechnungen von Nordhaus nicht unumstritten. Jeder, der Diskontierungsverfahren kennt, weiß, wieviel Platz für Spekulation darin steckt. Zudem ist selbst das 2 Grad Ziel nicht in der Lage, uns einen sicheren Korridor des Erdklimas zu garantieren. Jüngere Forschungen deuten nämlich darauf hin, dass bestimmte Tipping Points des Klimasystems deutlich früher erreicht werden, als in den eher konservativen Prognosen des IPCC.

Wie viele Variablen bei der Einschätzung von Klimabetroffenheit und Klimakosten  eine Rolle spielen können, zeigen etwa lokale Wetterereignisse, wie Windhosen oder Hagel, deren konkretes Eintreten an einem bestimmten Ort sich seriös kaum prognostizieren lässt. Ähnlich zeigen Untersuchungen, dass etwa die Mortalitätsrate bei Hitzeereignissen nicht nur von der Intensität und der Dauer des Ereignisses abhängen, sondern auch davon, wie früh oder spät sie im Jahr auftreten. Es gibt eine Vielzahl von Szenarien, die jeweils spezifische, zum Beispiel regionale,  sektorale oder branchenbezogene Betroffenheiten widerspiegeln, dazu gehören Landwirtschaft, Infrastruktur und Logistik, Gesundheit, Produktivität usw. – Lösungen von der Stange gibt es aber nicht.

Ebenso schwer ist es, pauschal zu berechnen, was die monetären Folgen einer möglicherweise sinkenden Produktivität von Mitarbeitern durch Hitzeereignisse sind. Die wirtschaftlichen Folgen können vom Alter und anderen gesundheitlichen Belastungen der Belegschaft, der Art der Tätigkeit und von zahlreichen anderen Faktoren abhängen. Zusätzlich können etwa geografische Faktoren und Infrastruktur (man denke an die Hitzefolgen für Pendler) eine  Rolle spielen. 

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass die konkrete Klimabetroffenheit – im Guten, wie im Schlechten –  von Unternehmen zu Unternehmen stark variieren kann. Deshalb bleibt nichts anderes übrig, als die individuelle Betroffenheit auf der Ebene des einzelnen Betriebes zu untersuchen. Ebenso individuell sind in der Konsequenz auch die Klimaanpassungsstrategien und die Art der Umsetzung. Was für den einen signifikantes Risiko darstellt, eröffnet für den anderen attraktive Geschäftsmodelle. 

Wie Klimabetroffenheit erkannt und wie geeignete Strategien entwickelt und umgesetzt werden können, das ist Thema unseres Workshops am 26.09.19 im Kölner MediaPark.